Ein Tag in Mantua - Unentdecktes Schlemmerparadies alias Unesco Welterbe

Ich weiß gar nicht, ob ihr es mitbekommen habt, aber ich war in den Osterferien eine wundervolle Woche mit meiner Familie in der traumhaften Toskana. Wie immer hänge ich mit den Reiseberichten dezent hinterher, aber länger wollte ich euch die ganzen Fotos und Berichte jetzt doch nicht vorenthalten! Deswegen fange ich heute mal an: mit Mantua.

Mantua, Mantua… Vielleicht schonmal irgendwo gehört, vielleicht auch nicht? Ja richtig, in der Literatur gab es doch eine kurze Erwähnung, denn Mantua ist die Stadt, in die Romeo verbannt wurde, als die Familien das mit ihm und Julia spitz gekriegt haben! Doch auch das wissen wohl eher wenige. Ebenso, dass diese Stadt überhaupt existiert. Und eigentlich ziemlich schön ist. Und man dort das beste Eis der Welt essen kann – sogar vegan. Gut, wenn man bedenkt, dass Romeo aus Verona kam, dann ist das auch verständlich, denn mit Verona kann meiner Meinung nach keine andere Stadt in Italien mithalten, nicht einmal das berühmte Florenz oder gar Rom. Aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Reisebericht (vielleicht schreibe ich den ja auch irgendwann mal :D).

 

Ich komme vom Thema ab, zurück zu Mantua: viele fahren auf dem Weg in die Toskana an dieser Stadt vorbei, die fast inselartig und unauffällig umgeben von drei schönen Seen inmitten der italienischen Reisfelder liegt – und seit 2008 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt! Auf jeden Fall kam meine Oma über eine etwas komplizierte Geschichte auf die Idee, nach Mantua zu fahren, was man heutzutage im vielbesuchten Italien tatsächlich noch als eine Art Geheimtipp sehen kann. Und so haben wir gut zwei Tage dort verbracht.

 

 

Mantua (auf italienisch Mantova) ist ein kleines, aber feines Städtchen mit nicht einmal 50 000 Einwohnern – zwei Tage haben eigentlich auch total gereicht, um die Stadt kennenzulernen, denn so viel gibt es nicht zu sehen. Aber mit seiner vergleichsweise touristischen Ruhe, der wunderschönen, alten, italienischen Architektur und den vielen Seen kann man dort sicher auch gut eine Woche verbringen. Falls hier also jemand eine Italienreise plant und jetzt neugierig geworden ist, dem möchte ich natürlich ein paar unverzichtbare Mantua-Tipps nicht vorenthalten!

To See

Wie schon gesagt, Mantua ist klein. Das mit den Sehenswürdigkeiten hält sich also in Grenzen und lässt sich an einem Tag durchziehen, wenn man es sportlich anstellt :D.

Zum ersten denke ich, ist es unverzichtbar, gemütlich durch die schöne Altstadt zu schlendern, die Atmosphäre aufzusaugen und ein Eis zu essen. Vielleicht auch die berühmten krümeligen Kuchen probieren, die sogenannten Sbrisolona, eine Art riesiger Streuselkeks mit Mandeln. Meiner Meinung nach eher langweilig und natürlich ungesund, haha, aber eben die Spezialität der Stadt, deswegen sollte man es wenigstens gekostet haben. Ist auch nicht teuer und man bekommt ihn an jeder Ecke.

In der Altstadt wird man um die große Kathedrale wohl gar nicht herumkommen, denn sie steht unübersehbar in der Mitte der Stadt am zentralsten Platz. Hat mich aber auch nicht umgehauen, denn mit ihrer aufgemalten Wanddeko hat sie auf mich ziemlich aufgesetzt gewirkt. Dann gibt es natürlich noch das Schloss, das Wahrzeichen von Mantua, das vermutlich auf jeder Postkarte zu finden ist. Da sind wir gar nicht erst reingegangen, denn die Schlange an der Kasse war bestimmt hundert Meter lang, und das muss ich mir nicht antun, um ein paar ausgestellte Räume anzugucken, in denen vor hundert Jahren mal irgendeine Prinzessin gewohnt hat. Auch wenn es vielleicht ein eindrucksvolles Gebäude war.

Wie ihr vielleicht merkt, ich bin nicht so ein wahnsinniger Fan von Sightseeing-Marathons. Tut mir leid. Ist bestimmt alles interessant irgendwo, aber wenn ich wo hin reise, dann möchte ich dort leben. Möchte die Menschen kennenlernen, durch die Straßen schlendern, auf dem Markt einkaufen und einfach an dem Ort SEIN. Also kommen wir zum nächsten Punkt:

To Do

Mantua ist eine wahnsinnig lebendige Stadt. Nicht ganz so berauschend wie Verona vielleicht, aber die Menschen dort leben. Das merkt man besonders, wenn man abends durch die Straßen läuft, das Nachtleben ist bunt dort – die Menschen stehen auf den Straßen, vor den Bars und Cafés, trinken, reden, lachen und feiern und sind einfach da. So fühlt es sich an.

 

Was macht man also, wenn man ein, zwei Tage in Mantua ist und keine Lust auf Sightseeing hat oder es schon fertig hat? Meine Empfehlung:

 

Man geht auf einen Markt. Man hört den Italienern bei ihren überschwänglichen, fröhlichen Gesprächen zu (ich liebe es, italienisch zu hören, aber leider verstehe ich kein Wort. Ich werde es aber irgendwann lernen, hundertprozentig!), probiert köstliche, regionale Produkte, lässt sich ein sauteures, aber einfach göttliches Pesto verkaufen, saugt den Duft von Kräutern und Olivenöl ein und lässt sich die Sonne warm auf die Haut scheinen.

Man macht ein Picknick am Seeufer. Dazu nehme man eine Tüte mit all dem Zeug, dem man auf dem Markt einfach nicht widerstehen konnte, weil, hallo, wir sind hier in Italien und das Essen ist einfach nur verdammt lecker. Dann suche man sich ein sonniges Plätzchen im Gras und genießt all die kostbaren Schätze, optimalerweise natürlich in fröhlicher Gesellschaft. Essen, Sonne, See und Lachen, gibt’s was Schöneres? Ja, vielleicht: Eis.

 

Man geht auf dem Rückweg in der Stadt ein köstliches, italienisches Eis essen. Dazu später mehr. Das ist einen eigenen Unterpunkt wert, ich schwör's euch.

Man legt sich auf die faule Haut. Das ist der Süden. Hier macht man Siesta. Es tut gut, einfach mal nichts zu tun. Nur weil man in einer anderen Stadt ist, heißt das nicht, dass man den ganzen Tag herumrennen muss und möglichst alles sehen, nur um abends erledigt ins Bett zu fallen und keine Kraft mehr zu haben.

 

Man geht abends wieder in die Stadt und lässt den Tag bei einem leckeren Essen in einer der unzähligen Osterias oder Pizzerias oder mit einem guten Wein ausklingen. Führt uns schon wieder zum nächsten Punkt.

To Eat

Italienisches Essen ist sicher eines der besten auf der Welt, wenn ihr mich fragt. Leider ist es meistens ziemlich fleischlastig, aber man kann auch superlecker vegetarisch essen, wenn man weiß, wie.

 

Auf dem Markt kann man sich natürlich problemlos ein vegetarisches oder veganes Picknick zusammenstellen: vegane Optionen sind zum Beispiel natürlich alles frische Obst und Gemüse, Antipasti wie eingelegte Oliven (omg, mhhhmm!!!!), Tomaten oder Zwiebelchen, Peperoni und Paprika. Dazu gibt es frische Focaccia mit Kräutern oder Oliven und Pesto oder Ciabatta. Für die Vegetarier gibt’s dann noch den unglaublich leckeren Käse: Parmigiano, Pecorino oder Mozzarella di Buffala, Ricotta und, und, und, in den tollsten Variationen. Auch im normalen Supermarkt kann man erstaunlich gut vegetarisch oder vegan einkaufen: es gibt Bio-Reis-, Hafer-, Soja- und Mandeldrink, Vollkornnudeln und Vollkorn-/vegane Kekse! Wuhu :D

 

Dann gibt es die zahlreichen Osterias, in denen man unglaublich lecker essen gehen kann – ist aber eher nichts für Low-Budget-Reisende, und als Vegetarier muss man eben nachfragen, ob man eventuell etwas ohne Fleisch und Fisch haben kann, auch wenn das manchmal auf Irritationen bei den Italienern stoßen kann. Das Essen in den Osterias ist frisch zubereitet und eigentlich fast immer regional und saisonal. Meistens sind sie auch eher klein, sodass es sich lohnt, vorher mal anzurufen und einen Tisch zu reservieren. Aber Achtung: Was das Englisch betrifft, ist Italien meist noch etwas hinterher! :D

 

Eine günstigere, aber nicht weniger leckere Option sind einfachere Pizzarias. Das Essen muss nicht teuer oder aufwändig sein, eine steinofenfrische Pizza oder frische Pasta sind auch schon eine Freude für die Sinne. Außerdem gibt es hier viele Variationsmöglichkeiten, besonders bei der Pizza. Vegetarisch, vegan, einfach nachfragen, Hier sind Umbestellungen und Extrawünsche in der Regel überhaupt kein Problem.

Kommen wir zu meinem Lieblingspunkt: dem Nachtisch! Was bietet sich besser an, als nach dem Essen zurück zum Hotel zu schlendern und in der besten Eisdiele der Stadt eine Dessert-Pause einzulegen? Glaubt mir, ich habe schon viel Eis gegessen, auch in Italien. Aber das Eis der Eisdiele Gelateria Logetta schlägt einfach keiner!! Unglaublich tolle Sorten – davon übrigens viele auch vegan! – und unfassbar lecker. Das kann ich gar nicht mit passenden Worten beschreiben. Fahrt am besten einfach nach Italien und probiert selbst. Allein dieses Eis ist die Reise wert. Ich schwör's euch. Geht übrigens nicht nur als Nachtisch. Auch als Hauptmahlzeit. Oder Mittagessen. Oder Snack zwischendurch. Oder Alles.

Mantua Fazit:

Also, ein kleines abschließendes Wort zum Schluss: Mantua ist klein aber fein, und wer in der Gegend ist, sollte unbedingt einmal vorbeischauen. Es gibt dort für jeden etwas. Und wie gesagt. Das Eis. Ihr wisst. Einen eigenen Urlaub nur in Mantua würde ich selbst jetzt nicht planen, aber die Gegend strotzt ja vor anderen schönen und interessanten Orten. Und wenn man vor der Wahl steht, Mantua oder Verona, dann doch lieber Verona. So, das war jetzt mehr als ein Wort, schon klar. Aber, wie gesagt. Geht nach Mantua Eis essen. Ich wette Romeo hat Julia dort gar nicht soo sehr vermisst.

 

Ciao!

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Erika (Montag, 22 Mai 2017 19:47)

    Ich möchte etwas zu dem wunderschönen Blog ergänzen. Der Aufstieg von Mantua ist eng verknüpft mit dem Aufstieg der Familie Gonzaga. Mir, der Bibliothekarin, sei eine Buchempfehlung dazu verziehen. Kate Simon: Die Gonzaga. Eine Herrscherfamilie der Renaissance. Kiepenheuer und Witsch, 1991. Es gibt einige Verknüpfungen des Hauses Gonzaga mit Deutschland. 1433 heiratete Barbara von Brandenburg nach Mantua. Von ihren Kindern ver heiratete sie drei nach Deutschland. Ihre Tochter Barbara heiratete 1474 Graf Eberhard im Barte von Württemberg-Urach. 1495 wurde ganz Württemberg zum Herzogtum erhoben und Barbara Gonzaga damit erste Herzogin von Württemberg.