10 Fakten über Massentierhaltung, die zum Nachdenken anregen

Heute widme ich mich mal einem etwas heiklerem Thema. Und dennoch einem Thema, das meiner Meinung nach viel zu oft ignoriert wird oder es einfach gar nicht ins Bewusstsein vieler Menschen schafft. Und das ist von den ganz Großen auch so gewollt - aber haben wir nicht ein Recht darauf, zu wissen, was tagtäglich in unserer Welt geschieht, zu wissen, was wir ständig in uns aufnehmen und was somit zu einem Teil von uns wird?

 

Wie du vielleicht weißt, lebe ich seit 2013 vegetarisch und koche auch viele komplett pflanzliche Gerichte. Darum soll es jetzt aber nicht gehen, über meine Ernährung und Hintergründe kannst du hier & hier mehr lesen. Ich möchte damit sagen, dass einige vielleicht denken, dass ich nicht unparteiisch bin, was dieses Thema betrifft. Nicht sachlich. Und nur meine Seite vertreten möchte. Das stimmt nicht. 

 

Also natürlich bin ich nicht neutral diesem Thema gegenüber, denn ich habe eine Meinung. Aber das finde ich wichtig, denn wer eine Meinung hat, der hat diese (meist) aufgrund von Wissen gebildet. Ich habe mich viel mit dem Thema auseinandergesetzt, habe vieles, was in unserem Alltag so normal ist, kritisch hinterfragt und die Konsequenzen für mein Leben daraus gezogen. Das zum Ersten.

 

Und zum Zweiten: Ich stand doch auch einmal da, wo viele heute stehen, die anfangen, mit mir über mein Essen zu diskutieren. Ich habe Fleisch gegessen, sehr gerne sogar, und ich habe nicht hinterfragt, wo mein Essen herkommt. Bis ich irgendwann damit konfrontiert wurde. Und mich dann entschieden habe, meine Ernährung zu ändern und mein Einkauf- und Essverhalten dem anzupassen. Vor fünf Jahren war mir der Gedanke an eine überwiegend pflanzliche Ernährung total fremd - heute ist sie ein fester Bestandteil meines Lebens und ich würde fast behaupten, dass ich nie zuvor einen so großen Spaß am Essen, Kochen und Herumprobieren hatte und mich in meiner Haut nie wohler und gesünder gefühlt habe. 

 

Also, ich zwinge niemanden, diesen Post zu lesen, aber wenn du es tust: sei einfach offen für das, was kommt. Diskutieren können wir immer noch hinterher.

Auswirkungen von Massentierhaltung - 10 Fakten

Insgesamt kann man die Probleme, die bei Massentierhaltung auftreten, drei Bereichen zuordnen: Unserer Gesundheit, der Umwelt und ihren Ressourcen und der Gesellschaft einer globalisierten Welt. Der Übersicht halber folgt nun zu jedem Bereich eine kurze Infografik, die das wichtigste zusammenfasst, und dann im Text eine ausführlichere Erläuterung.

1. Antibiotika

Masttieren werden viele Beruhigungsmittel und Medikamente zugefüttert, damit sie die täglichen Qualen überhaupt überleben. Auch Antibiotika werden den Tieren in großen Mengen ins Futter gemischt, als Wachstumsbeschleuniger und prophylaktisch zur Vorbeugung von Erkrankungen, die in den schrecklichen Umständen der Massentierhaltung unumgänglich wären. 

 

Auch im Fleisch bleiben Antibiotikareste, die, wenn wir sie mit der Nahrung in uns aufnehmen, wie eine Schluckimpfung wirken. In der Folge steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Antibiotika beim Menschen nicht mehr anschlagen, was bei bestimmten Krankheiten oder Infektionen lebensgefährlich werden kann.

 

Durch hohe Zugabe von Antibiotika im Tierfutter wird außerdem die Entstehung von multiresistenten Keimen begünstigt, eine der größten Gefahren für die moderne Medizin.

 

 

2. Volkskrankheiten

Die unhygienischen Zustände in den Mastanlagen sind die reinsten Brutstätten für Keime. Auch wenn meiner Meinung nach diese Zustände, in denen unsere Nahrung produziert wird, an sich schon einen Skandal darstellen, gelangen all diese Keime auch noch ins Umland, weil bestimmte Abluftfilter „zu teuer“ sind. Folgen sind Allergien, Asthma, Entzündungen und andere ungewöhnliche gesundheitliche Beeinträchtigungen, die in näherer Umgebung von Mastanlagen immer wieder beobachtet werden.

 

Langzeitschäden und Folgen eines zu hohen Cholesterinwertes wie Herzinfarkte sind üblich in Deutschland. Tierische Produkte enthalten viel Cholesterin, ebenso wie gesättigte Fettsäuren, deren erhöhte Aufnahme Übergewicht zur Folge hat. Auch eine weit verbreitete Krankheit in den westlichen Ländern.

 

Über die Verschmutzung der Meere gelangen Schadstoffe wie Plastikpartikel oder Schwermetalle in die Fische, die diese aus dem Wasser aufnehmen, und somit auch in uns, wenn wir Fisch essen.

 

 

3. Überdüngung

Als Folge einer Überdüngung unserer Äcker, die notwendig ist, da die ganze Gülle aus den Mastbetrieben solche Ausmaße annimmt, dass sie anders nicht entsorgt werden kann, kommt es zu einer Anreicherung von Nitrat im Boden. 

 

Dieses dringt in das Grundwasser ein, was (besonders bei Kindern) zu erheblichen Gesundheitsschädigungen führen kann und Krebs begünstigt.

4. Wasser

Massentierhaltung verbraucht Unmengen von Wasser: dabei geht es nicht nur um das Wasser, welches ein Tier trinkt, sondern auch um das, was für die Produktion des Futters oder die Fleischverarbeitung benötigt wird. Für ein Kilo Rindfleisch werden zum Beispiel über 15 000 Liter Wasser verbraucht! Für ein Kilo Gemüse sind es hingegen im Schnitt etwa 320 Liter.

 

 

5. Regenwald

Für den Anbau von Viehfutter und Erhalt von neuen Weideflächen kommt es jedes Jahr zur Abholzung riesiger Regenwaldflächen. Das hat verheerende Folgen: viele Tierarten sterben aus, das gesamte Ökosystem wird gestört und außerdem ist der Regenwald ein wichtiger CO2-Verwerter.

 

Und während sich viele dann über den Tofukonsum von Vegetariern und Veganern aufregen: Biosojaprodukte kommen überwiegend aus ökologischem Anbau in Europa. Für ein Kilo (billiges) Fleisch dagegen wird mindestens fünfmal so viel Soja benötigt. Und das kommt, wie wir wissen, genau aus den ehemaligen Regenwaldgebieten. Also, bitte.

 

 

6. Klimawandel

Wenn man die Menschen nach den Ursachen für den Klimawandel fragt, nennen fast alle den Verkehr. Manche Energie und Industrie. Aber keiner spricht den größten Faktor unserer Klimaerwärmung an: Massentierhaltung.

 

Laut der UN ist der CO2-Anteil von Massentierhaltung bei knapp 20 Prozent. Das ist so viel wie der komplette Auto-, Luft- und Schiffsverkehr zusammen. Außerdem ist der Anteil bei Lachgas (ein Treibhausgas das 300-mal so klimaschädlich ist wie CO2) bei 77% und bei Methan bei 53% (Stand 2012). Das kommt vor allem von den Ausscheidungen der Kühe und den Transportabgasen, die entstehen, wenn Futtermittel oder Soja aus billigen Anbaugebieten importiert oder Tiere weite Strecken zur Schlachtung transportiert werden.

 

Zum Vergleich: Pro Kilo Rindfleisch werden 13,3 Kilo CO2 freigesetzt. Für ein Kilo Brot sind es 0,75 und für Tomaten 0,2 Kilo. In der ökologischen Landwirtschaft werden aufgrund des Verzichtes auf energieintensive Kunstdünger und giftige Pestizide bis zu 40% des CO2 eingespart.

 

 

7. Zerstörung von Artenvielfalt

Monokulturen nehmen zu: Soja wird als billiges Futtermittel für Massentierhaltung benötigt, Mais als Gülleverwerter für die Massen an Gülle die in dieser anfallen.

 

Durch den Anbau von Mais wird, wie in jeder Monokultur, die natürliche Bodenfruchtbarkeit gestört, es kommt zur Bodenerosion wegen spärlicher Bodenbeschattung und somit auch zu einer Verringerung der natürlichen Vielfalt, u.a. dem Tod von Nutzinsekten. 

 

Die Weltmeere sind überfischt, Fischernetze zerstören ganze Meeresstriche und Arten wie Delfine oder bedrohte Meeresschildkröten landen immer wieder in den Fangnetzen. Währenddessen sind die Aquakulturen voller Gift, verpesten Meerwasser und -boden ebenso wie den Fisch, der später auf unserem Teller landet.

8. Tierquälerei

Was heute hinter den Mauern der Massentierhaltungsanlagen abgeht, ist eigentlich unvorstellbar: Tiere leben auf viel zu engem Raum, mit unnatürlicher Fütterung (eine Kuh in der Natur frisst Gras. Kein Soja.) und unter hoher psychischer Belastung: Stress, Lärm und meist kein Licht, geschweige denn frische Luft oder Sonnenlicht. Schweine werden ohne Betäubung kastriert, die männlichen Küken lebendig geschreddert (50 Millionen pro Jahr in Deutschland), stehen tief in ihren eigenen Exkrementen, werden mit Medikamenten und Beruhigungsmitteln gefüttert, damit sie all das überleben und trotzdem gehört das Wegsterben von Tieren in diesen Betrieben zum Alltag. Auch, dass die Schweine sich aus Stress gegenseitig die Schwänze abknabbern, Hühner sich die Federn auspicken oder so aufgemästet werden, dass sie gar nicht mehr selbst laufen können und verhungern oder verdursten, weil sie irgendwo umkippen und auf dem Rücken liegen bleiben. 

 

Das Wort Tierquälerei ist fast noch untertrieben und es ist illegal, aber alle mogeln sich um die Verantwortung herum, denn Leiden kann man nicht gut nachweisen. Das Tierschutzgesetz wird einfach ignoriert, denn die Befolgung der Regeln wäre zu teuer. Anders kann man kein Steak für 1,99 anbieten.

 

Milchkühe werden jedes Jahr neu geschwängert um die Milch zu bekommen, indem man ihnen die Spermien eines Bullen „einpflanzt“, die Kälber sind dabei nur die Abfallprodukte, sie werden für billige Wiener Schnitzel verkauft. Oft werden auch Kühe mit verwundeten Eutern gemolken. 

Was sich hier anhört wie eine Mischung aus einem Horrorfilm und perversem Porno ist leider die Realität.

 

 

9. Welthunger

80% der landwirtschaftlichen Fläche auf der ganzen Welt werden für den Futtermittelanbau und die Viehzucht benötigt - während Fleisch nur 20% der weltweiten Nahrungsenergieversorgung ausmacht. 

 

Man könnte viel mehr Menschen satt kriegen, wenn man Lebensmittel für Menschen anpflanzen würde: theoretisch ist das die Lösung für den Welthunger. Denn wir haben genug zu essen. Nur schmeißen wir erstens in den Industrienationen viel zu viel weg, und zweitens nutzen wir die Fläche für den Anbau von billigen Futter für billiges Fleisch, das wir in den reichen Ländern essen können, während die armen Länder verhungern. 

 

„Aus der Ernährung ist ein gigantischer Massenmarkt geworden, der von einigen profitgierigen Menschen ohne jeden Skrupel zur persönlichen Bereicherung genutzt wird“ - Attila Hildmann

 

 

10. Armut

In den Entwicklungsländern selbst nutzen wir, also die Industriestaaten, 50% der Ackerfläche für den billigen Anbau von Tierfutter für unsere Massentierhaltung. Somit haben die Einheimischen nicht genug Platz für den Anbau eigener Lebensmittel und verhungern. 

 

Gleichzeitig werden viele Kleinbauern ruiniert, denn sie müssen den Großgrundbesitzern weichen, die aufgrund ihrer Macht und Größe viel billiger produzieren können. Die gesamte Lebensmittelindustrie ist nur noch von wenigen Großkonzernen gesteuert, die so mächtig sind, dass sie auch die Politik in der Hand haben.

Und jetzt?

Fragst du dich auch, wie es jetzt weiter geht? Was ich jetzt von dir will? Weißt du was: Nichts. Ich freue mich schon, wenn du bis hier gelesen hast. Danke für dein Interesse und deine Aufmerksamkeit. 

 

Ich habe es schon am Anfang gesagt, und ich sage es nochmal, weil es einfach so wichtig ist: ich bin nicht hier, um euch zu einer veganen Ernährung zu überreden - wer wäre ich, mir dieses Recht herauszunehmen? Es ist euer Leben und eure Verantwortung. Alles was ich will, ist, das Bewusstsein zu schärfen. Dafür, wo unser Essen herkommt. Was wir beim Einkaufen mit welcher Wahl unterstützen - dein deine Macht ist, wo dein Geld ist!

 

Ich kann auch nicht behaupten, dass eine fleischfreie Ernährung die Richtige ist - das passt für mich, dennoch muss das letztendlich jeder für sich selbst herausfinden. Aber ich kann dir sagen, dass wenn du Fleisch isst, du es bitte bewusst tun solltest. Achte auf die Menge und die Qualität. Sieh Fleisch als eine Beilage und iss auch immer viele frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse und vollwertige Getreideprodukte. Lass Fleisch eine besondere Delikatesse auf deinem Ernährungsplan sein, nicht das Grundnahrungsmittel. Nicht jede Mahlzeit muss Fleisch enthalten - pflanzlich basiert zu kochen ist eigentlich so einfach und so lecker. Wenn dir das seltsam vorkommt, dann schaue mal bei mir in die Rubrik Rezepte oder kauf dir eines dieser wundervollen Kochbücher. Und kauf "gutes" Fleisch. Wie schon gesagt: Die Macht ist, wo dein Geld ist. Unterstütze die Bauern. Kaufe Bio und regional. Das ist besser für deine Gesundheit, die Umwelt und den Geschmack sowieso.

 

Schätze dein Essen. Essen ist eines der wertvollsten Güter unserer Erde - und so sollte es auch behandelt werden. Es ist ein LEBENSmittel. 

Und ich wollte diesmal meine wichtigsten Quellen offenlegen. Falls du noch einmal detaillierter über diese Themen nachlesen möchtest, kannst du das auf diesen Seiten gut tun:

 

Greenpeace

Bund Landwirtschaft

Waterfootprint (englisch)

Süddeutsche Zeitung

Massentierhaltung verbieten

 

So, das wars erstmal von meiner Seite. Wenn ich wirklich erreicht habe, was ich wollte, nämlich zum Nachdenken anregen, dann werden sicher einige Fragen oder Kommentare aufkommen.

 

Schreibt diese gerne unter diesen Artikel in das Kommentarfeld. Wenn ihr über eine Antwort zu euerem Kommentar benachrichtigt werden wollt, dann hinterlasst mir einfach eure Emailadresse. Oder ich werde dann bei angemessener Nachfrage einen extra Diskussions-Blogpost mit Antworten auf eure Frage oder Stellungnahme zu euren Kommentaren dazu verfassen (weil leider kann ich hier nicht direkt auf Kommentare antworten - blöd, ich weiß, aber ist leider so).

 

Oder ihr könnt mir auch jederzeit eine Mail schreiben.

 

 

 

Liebe Grüße, eure Hannah

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Kommentare: 3
  • #1

    Claudia (Sonntag, 11 Juni 2017 12:37)

    Ein sehr wichtiges Thema! Danke für die Mühe die du dir gemacht hast, das alles zusammen zu tragen! Super ��

  • #2

    Laura (Sonntag, 11 Juni 2017 15:24)

    Ein richtig guter Artikel, vor allem die Grafiken gefallen mir sehr gut! Danke Hannah!

  • #3

    Erika (Samstag, 17 Juni 2017 11:19)

    Du hast ein sehr wichtiges Thema sehr anschaulich und informativ dargestellt und mich zum Nachdenken angeregt, dafür habe herzlichen Dank. Ich sehe, dass meine Probleme darin liegen, dass ich den unbeirrten Glauben an Bioerzeugnisse nicht teilen kann. Ich frage mich, ob die Herstellungsprozesse auch den hohen Idealen entsprechen, wie Arbeitsbedingungen und Löhne der im Herstellungsprozess beteiligten Menschen aussehen. Entsetzt hat mich auch ein Hinweis (google news-cards) auf das Leben der Bio-Eier-Hühner selbst auf einem Hof, von dem Aldi Süd Bio-Eier bezieht. Stören tut mich in Biomärkten, dass auch dort Verpackungsmüll (Plastiktüten, Gläser,...) in großen Mengen produziert wird. Ich persönlich bemühe mich um sparsamen, am wirklichen Bedarf orientierten Einkauf, wobei ich Biomärkte durchaus einbeziehe, besonders beim Fleischkauf, und absolute Vermeidung von Resten, die im Müll landen.
    Neu war mir in Deinen Ausführungen die Angabe, dass 80% der erzeugten Nahrungsmittel zur Tierhaltung verwendet werden und das eine Ursache des Welthungers darstellt. Meine Information ging bisher dahin, dass die produzierten Lebensmittel durchaus für alle Menschen reichen würden, die Probleme aber im ungerechten Verteilungsprozess zu suchen wären.